Veranstaltungen
Kaminfeuer, ein bequemer Lesesessel und ein gutes Buch in der Hand (vielleicht noch ein Glas Rotwein), was braucht der Mensch mehr zum Glücklichsein! Das lässt sich nur noch steigern, wenn ein Autor zu uns als Gast nach Langenau kommt und nicht nur aus seinem Buch liest, sondern zu plaudern beginnt, von seinen Romanfiguren erzählt und den Zuhörer einen Blick in seine Schreibwerkstatt werfen lässt. Spannend und aufschlussreich ist es auch einen Verleger oder Lektor einzuladen, der mit Leidenschaft und Kenntnis von seinen Büchern zu erzählen weiß. Auch in diesem Jahr bieten wir Ihnen ein Vortrags- und Lesungsprogramm, das breitgefächert Ihr Interesse wecken soll. Eine Dichterlesung ist ja mehr als nur die Präsentation eines neuen Buches. Sie ist immer auch eine Begegnung zwischen Autor, Leser und den Buchhändlern; kurz – sie ist ein Fest der Literatur.

Lebensspuren der Opfer
Bereits mit den Romanen „Shanghai – fern von wo“ und „Landgericht“ hat Ursula Krechel sehr eindringlich mit diesen Lebensgeschichten das leidvolle zwanzigste Jahrhundert lebendig werden lassen. Mit ihrem neuen Roman „Geisterbahn“ vollendet sie die Trilogie, in dem sie über drei Generationen die Geschichte einer Sinti Familie in Deutschland nachzeichnet. Die Diskriminierung der Sinti endete nicht mehr mit der Ermordung im KZ. Doch nach wie vor begegnete die Gesellschaft in der jungen Bundesrepublik dieser Minderheit mit Vorurteilen und drängte sie an den Rand. Da die Schaustellerfamilie im Roman ihre Existenzgrundlage verloren hat, misstraut sie, mittellos geworden, allen Institutionen und auch den Nachbarn.
Ursula Krechel zeichnet in ihrem Roman ein verdrängtes Bild deutscher Geschichte eindringlich nach. Damit wird vermeintlich Vergangenes auf bedrängende Weise gegenwärtig.

Ursula Krechel
„Geisterbahn“
Lesung

Sonntag, 27. Januar - 17 Uhr
Langenau Pfleghofsaal
Eintritt 10,-/6,- Euro

Ursula Krechel
„Geisterbahn“

Roman
650 Seiten
Jung und Jung
32,- Euro

Ein Leben als Zeitgeschichte
"Mein Vater heiratete immer dreißigjährige Frauen. [Nur] er wurde älter... Sie hießen Ruth, Litzy, das war meine Mutter, Gisela und Liselotte..." Dies ist die private Seite eines Lebens, das mit seiner genauso bewegten öffentlichen Seite, die Wirren und die Wechsel im vergangenen Jahrhundert fast schon symbolhaft begleitet. Barbara Honigmann, die selbst Teil dieses ereignisreichen Wanderlebens wurde, beschreibt wie ihr Vater zwischen Paris, London und Berlin hin- und herreiste, bevor ihn die Nazis zwangen nach Kanada zu gehen, wo die Familie aber interniert wurde. Als Jude und Kommunist wählte er nach dem Krieg die DDR als Ort der Rückkehr. Dort prägte Honigmann lange Jahre das kulturelle Leben, unter anderem als Direktor des Ostberliner Kabaretts „Die Distel“. 1984, als ihr Vater starb, hat Barbara Honigmann die DDR verlassen und ist nach Straßburg emigriert. Die sowohl traurigen wie humorvollen Geschichten über den Vater sind eine nachgetragene Liebeserklärung an einen außergewöhnlichen Mann.

Barbara Honigmann
„Georg“
Lesung

Donnerstag, 14. Februar - 20 Uhr
Langenau Pfleghofsaal
Eintritt 10,-/6,- Euro

Barbara Honigmann
„Georg“

Roman
160 Seiten
Hanser Verlag
18,- Euro

Tirolerin in der Pflugbrauerei
Wer hätte nicht auch gerne solch einen Urgroßvater gehabt? Der letzte Fassbinder in Tirol, unverdrossener Anhänger der alten Donaumonarchie, ist zwangsläufig der älteste Einwohner im Dorf. Das hindert den Wildfang Illy nicht daran, mit ihm jede freie Minute zu verbringen. In der Werkstatt oder auf Opas altem Moped, die beiden sind unzertrennlich und sie teilen ihre Geheimnisse, die großen wie die kleinen. Und der Urgroßvater ist auch verständnisvoll zur Stelle, als die Eltern der Tochter den Umgang mit der ersten großen Liebe verbieten wollen.
Elizabeth Hagers Erstlingsroman ist ein großer Wurf, da die Autorin nicht nur bestens erzählen kann, sondern auf bemerkenswerte Weise in der Lage ist, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen. Da konnten wir nicht hintanstehen und haben einen außergewöhnlichen Ort für die Lesung gefunden.

Elizabeth R. Hager
„Fünf Tage im Mai“
Lesung

Donnerstag, 7. März - 20 Uhr
Hörvelsingen, Pflugbrauerei
Eintritt 10,-/6,- Euro

Elizabeth R. Hager
„Fünf Tage im Mai“

Roman
224 Seiten
Klett-Cotta Verlag
20,- Euro

Traumland Italien
Vielleicht braucht es eine gehörige Portion Glück und einen Vermittler wie Denis Scheck, oder aber hätten die fototechnisch und künstlerisch so ausgereiften Italienbilder von Helmut Schlaiß früher oder später einfach einen Verlag finden müssen. Die Antwort darauf ist müßig, denn der Literaturpapst von „Druckfrisch“ war nach seinem Auftritt im Pfleghof sofort begeistert von den Bildern des Langenauer „Lichtkünstlers“.
Helmut Schlaiß reiste die vergangenen Jahre mehrmals auf den Spuren Goethes nach Italien und versuchte mit seinen Fotografien jenes Land aufzuspüren, das der große Dichter damals vorfand.
Nun hat sich der traditionsreiche Manesse Verlag mit seinem rührigen Verleger Horst Lauinger entschlossen als Hauptattraktion seines 75jährigen Jubiläums Goethes „Italienische Reise“ in einem Prachtband aufzulegen. Dem Text sind 125 Fotografien in Duoton-Technik auf hochwertigem Papier vorangestellt. Die wohl komponierten Schwarzweißbilder von Helmut Schlaiß, unter anderem aus Venedig, Rom, Neapel und Sizilien, verschaffen wirklich eine Illusion, wie der Dichter sein Italien gesehen haben könnte. Akribisch versuchte der Fotograf, jenseits der Touristenströme und des Autoverkehrs, die Motive abzulichten. Das erforderte viel Geduld und oft auch Fototermine in den frühesten Morgenstunden. Das Ergebnis allerdings kann sich sehen lassen.
Davon können sie sich aber selbst überzeugen, wenn wir mit dem Fotograf, dem Verleger und dem Förderer Denis Scheck, der eigens ein Nachwort geschrieben hat, das Buchereignis gebührend feiern.

Helmut Schlaiß
Denis Scheck und Horst Lauinger
Goethes „Italienische Reise“
Buchpremiere

Sonntag, 17. März - 17 Uhr
Langenau Pfleghofsaal
Eintritt 10,-/6,- Euro

Helmut Schlaiß
„Italienische Reise“

336 Seiten
Manesse Verlag
49,80 Euro



Helmut Schlaiß
„Italienische Reise“

336 Seiten
Manesse Verlag
125,- Euro

Schwächen schwächen, Stärken stärken
Mit diesem schlichten Motto ist der Ich-Erzähler, ein Personaltrainer und Motivationscoach, in Michael Krügers neuem Roman zu Geld gekommen. Es geht ihm gut. Trotzdem räsoniert er sein Leben mit wachsender Melancholie und Selbstkritik. Als „Vorübergehender“ trösten den alt gewordenen Herren auf seinen langen Zugfahrten die Aphorismen großer Denker. Bis unvermittelt ein Kind, ein junges Mädchen, in sein Leben tritt. Das Flüchtlingskind aus dem Nirgendwo, das wie aus heiterem Himmel schlafend den Kopf auf seine Schultern gelegt hat, wird sein Leben noch einmal grundlegend verändern und ihn mit einer neuen Aufgabe betrauen.
Michael Krüger hat wieder einen wunderbaren Roman geschrieben, traurig schön und doch auch humorvoll. Ein lebenskluges Buch, das den Leser niemals allein lässt.

Michael Krüger
„Vorübergehende“
Lesung

Dienstag, 2. April - 20 Uhr
Langenau Pfleghofsaal
Eintritt 10,-/6,- Euro

Michael Krüger
„Vorübergehende“

Roman
200 Seten
Haymon Verlag
19,90 Euro

Gute Bücher auf dem Vormarsch
Mancher in der Buchbranche mag es bedauern, dass die Auflagenhöhe der Bestseller zurückgeht. Die Fließbandproduktion saisonaler Eintagsfliegen ist ins Stocken geraten. Gleichzeitig aber werden beständig neue Ausgaben von Klassikern gewagt, die durchaus ihre Leser finden. Romane, die Antwort geben auf die großen und kleinen Fragen des Lebens, haben Konjunktur. Das heißt jetzt aber nicht, dass ein gutes Buch schwere Kost sein muss und nicht unterhalten darf. Ganz im Gegenteil vermögen gerade jene Bücher zu fesseln, die den Leser anrühren und zum Nachdenken bewegen. Solchermaßen haben sie dann eine Langzeitwirkung mit dem Nebeneffekt, dass man sich mehr wünscht aus dieser Welt der Literatur kennen zu lernen. Lesen wird dann wieder zum festen Bestandteil der Freizeitgestaltung. Denn wie es André Heller so treffend formulierte: „Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, so sind sie nirgendwo“.
Das ist dann auch ein gutes Motto für unseren Bücherabend, der aus der Flut der Neuerscheinungen die wahren Abenteuer und Lebensgeschichten herausfiltern will.

Das Langenauer Literarische Quartett
lädt zum 46. Mal ein

Donnerstag, 11. April - 20 Uhr
Buchhandlung Mahr
Eintritt frei!

Rückblick Veranstaltungen: 2019 - 2018 - 2017 - 2016 - 2015 - 2014


Israels mahnende Stimme
„Ein Konflikt nimmt seinen Anfang und findet sein Ende in den Herzen und im Verstand der Menschen, nicht auf irgendwelchen Berggipfeln“. Amos Oz, von dem dieses Zitat stammt, glaubte bis zuletzt an einen möglichen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern. Nun wird diese gewichtige Stimme im Konfliktherd Naher Osten fehlen. Der ehemalige Theaterintendant des Ulmer Theaters Volkmar Clauss, der sich intensiv mit israelischer Literatur und Theater beschäftigt hat, lernte Amos Oz kennen und schätzen als bedeutenden und engagierten Autor. Es ist auch der Initiator des Abends. Die Lesung soll die Lebensleistung des jüngst verstorbenen Schriftstellers würdigen, denn die Weltliteratur hat mit seinem Tod einen wichtigen Geschichtenerzähler verloren.

Erinnern an Amos Oz
Texte gelesen von Sibylle Schleicher und Karl Heinz Glaser
An der Gitarre Daniel Rosch

Dienstag, 8. Januar - 20 Uhr
Buchhandlung Mahr