Veranstaltungen
Wenn man für die revolutionären Jahre im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Frau sucht, fällt einem Rosa Luxemburg ein. An Larissa Reissner, die russische Revolutionärin mit deutschen Wurzeln, erinnert sich kaum noch jemand. Dabei war sie Kämpferin während der Oktoberrevolution und Kommissarin der Roten Armee, Heldin der Flotte. Sie kannte Lenin, Bebel und Liebknecht persönlich, war als Gattin des ersten sowjetischen Botschafters in Afghanistan. Sie nahm 1923 am kommunistischen Aufstand in Hamburg teil; war Schriftstellerin und Journalisten. Sie starb nach ihrem bewegten Leben bereits 1926 an Typhus, mit gerade einmal 30 Jahren. Vielleicht war das aber auch gut so, denn diese unbeugsame, intelligente Frau stand sicher schon auf den Todeslisten Stalins. Steffen Kopetzky hat mit dieser Biografie wieder einen außergewöhnlichen historischen Roman geschrieben, der Larissa Reissner nicht nur der Vergessenheit entreißt, mehr noch, er erzählt spannend und eindringlich von den gewaltigen Umbrüchen dieser Jahre, so dass man sich am Ende des Romans kaum verzeiht, bisher nichts von dieser Revolutionärin gewusst zu haben.

aktuelle

Foto: © Frese München

Ein Jahrhundert Roman
Ein Dutzend Jahre haben wir von Buchmesse zu Buchmesse beim Stand seines Verlages geduldig angefragt, wann endlich der neue Roman von Thomas Willmann kommt! Nach der Lesung und dem langanhaltenden Erfolg, der genialen Verfilmung seines Roman „Das finstere Tal“, einem Alpenwestern mit Thrill, warteten wir gespannt auf sein neues Buch. Als wir dann das Buch mit über 900 Seiten endlich in den Händen hielten, wussten wir, warum es so lange gedauert hat, bis Thomas Willmann endlich sein kolossales Meisterwerk vollendet hat.
„Der eiserne Marquis“ ist ein Jahrhundertroman - sprachlich eine Sensation, so in eine vergangene Epoche eintauchen zu können und dabei spannend bis zum Schluss zu erzählen. Der historische Roman führt uns zurück ins 18. Jahrhundert, als die Mechanik den Menschen das war, was heute das Internet bedeutet. Ein Uhrmacher sucht in jener Zeit nach der Triebfeder des menschlichen Leibs. Als er einem Marquis begegnet, erkennt dieser dessen handwerkliches Geschick und nimmt ihn mit nach Paris. Sie scheitern mit ihren Bemühungen und verbinden sich mit dem Bösen - so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Thomas Willmann
„Der eiserne Marquis“
Lesung

Donnerstag, 29. Februar, 20 Uhr
Langenau Pfleghofsaal
12,- / 10,- Euro

Thomas Willmann
„Der eiserne Marquis“

960 Seiten
Liebeskind (2023)
36,- Euro

Foto: © Mergime Nocaj

Das Leben ist schön
Alex Capus kehrt mit seinem neuen Buch zurück zum Anfang seines literarischen Schaffens. Wenn er aber über den Beginn seiner Liebe zur Literatur schreibt, wird das Buch zu einem Plädoyer für die Gelassenheit und ein schöner Versuch über eine kleine Philosophie des stillen Glücks. Entdeckt hat Capus dieses Glück in den Neunziger Jahren in Italien, das das Sehnsuchtsland so vieler war. Trotzdem fand er in einem einsam stehenden Steinhaus, am Sonnenhang eines Weinbergs, sein Paradies – seine Schreibwerkstatt. Dort verbrachte er nicht nur erfüllte Tage mit der Freundin und mit Freunden, er fand auch die Ruhe, die Einsamkeit für die Literatur. Welch ideale Voraussetzung, ein guter und erfolgreicher Schriftsteller zu werden, wenn dann aus der Zufriedenheit die erwünschte Kreativität erwächst!

Alex Capus
„Das kleine Haus am Sonnenhang“
Lesung

Dienstag, 12. März, 20 Uhr
Langenau Pfleghofsaal
12,- / 10,- Euro

Alex Capus
„Das kleine Haus am Sonnenhang“

160 Seiten
Hanser (2024)
22,- Euro

Bücher sind wie vertraute Freunde
Ein Leser greift in sein Regal und nimmt ein Buch heraus. Ungelesen stand es da neben den anderen Romanen. Er erinnert sich an den Kauf in der Buchhandlung – das Buch sollte unbedingt gelesen werden, wie so viele andere auch. Jahre sind seitdem vergangen, doch jetzt nach kurzem Blättern nimmt die Lektüre Fahrt auf. Der Leser fragt sich, warum habe ich dieses erstaunliche Buch nicht längst schon gelesen?
Immer schon ist es unser Ziel mit diesem Bücherabend für die Leser solch bleibende Literatur vorzustellen. Bücher, die zeitlos sind und dennoch zeitkritisch sein können. Bücher, die unterhaltsam sind, dabei aber das Nachdenken befördern. Kommen Sie zu unserem 53. literarischen Quartett und teilen mit uns die Freude, einzutauchen in die Welt der Literatur. Es gilt wie jedes Frühjahr neue Romane, Sachbücher und das ein oder andere Kinderbuch zu entdecken. Wir bitten um Anmeldung!

Das Langenauer
Literarische Quartett
lädt zum 53. Mal ein

Mittwoch, 20. März
20 Uhr
Buchhandlung Mahr
Eintritt frei

„Europa retten“
Vom 8. - 11. April, jeweils 20 Uhr im Einsteinhaus und im Donauschwäbischen Zentralmuseum.

Es kommen Alida Bremer, Noémi Kiss, Adam Soboczynski und Michal Hvorecky nach Ulm. Weitere Informationen können sie zu einem späteren Zeitpunkt aus einem Flyer und aus der Presse entnehmen. Freuen Sie sich auf ein Fest für Europa!

Europa, wo bist Du?
So lautet die Frage des Journalisten und Literaturwissenschaftlers Alex Rühle, die er sich in seinem Buch stellt, Tagebuch und Reiseberichte von 20.000 Kilometern durch unseren aufgewühlten Kontinent. Rühle ist quer durch Europa gereist und erkundigte sich nach den Versprechungen der EU, ob diese auch angekommen sind in den Dörfern Kalabriens, an der estnisch-russischen Grenze oder im Zentrum von Lissabon. Nein, das Buch ist nicht unbedingt optimistisch, aber es rüttelt auf, es zeigt, dass es gilt die europäische Gemeinschaft gegen ihre Gegner zu verteidigen, aber auch neu zu erfinden und mit frischen Ideen zu füllen. Uns hat das Buch so tief bewegt, dass wir gemeinsam mit Alex Rühle „Europa retten“ möchten. Es ist natürlich vermessen, mit einer Reihe von Veranstaltungen in Ulm, dieses Unterfangen in die Tat umzusetzen, nur möchten wir dieses Mal, wenn es gilt in Europa zu wählen, nicht tatenlos zusehen, wie die antieuropäischen Kräfte immer stärker werden. Schon einmal haben wir nichts dazu beigetragen, die Engländer zu überzeugen, in der EU zu bleiben.
Begleiten Sie uns bitte, wenn wir zusammen mit Alex Rühle, Alida Bremer (Kroatien), Noémi Kiss (Ungarn), Michal Hvorecky (Slowakei), und Adam Soboczynski (Polen und Deutschland) nach einem gemeinsamen Europa suchen und vielleicht ein Publikum finden, das wie wir dieses Europa schützen möchte, ein Europa, das auch jenseits der Ökonomie einen gemeinsamen Halt findet.

„Europa – Man fühlt sich angekommen, selbst an Orten, an die man gar nicht hingehört.“

Foto: © 9- Root Leeb 2021

Ein Fest des Erzählens
Sei es in einem Festsaal, sei es in einer Kirche oder an jedem anderen Ort, wo sich Menschen versammeln können, steht dort ein festlich gekleideter Herr, der zu erzählen beginnt und die Zuhörer um ihn herum alles vergessen lässt. Lauschen sie ihm gebannt, dann kann es sich bei diesem nur um Rafik Schami handeln. So wird es auch dieses Mal wieder sein in der Katholischen Kirche, wenn er nach Langenau kommt, um seinen neuen Roman vorzustellen. Und die heilsame Wirkung des Erzählens wird an diesem Abend selbst zum Thema werden. Wer Rafik Schami kennt, wird wissen, dass uns wieder ein Fest der Geschichten erwartet, wie immer ist sein Vortrag opulent, spannend und berauschend. Er tritt dafür ein, die Perlen der arabischen Erzählkunst vor dem Vergessen zu retten. Als Autor setzt er Mosaikstein für Mosaikstein zusammen und es entsteht ein wahres Gemälde aus Tausendundeiner Nacht. Sein neuer Roman „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ bringt auch für uns die Heiterkeit zurück.

Rafik Schami
„Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“
Lesung

Dienstag, 16. April, 20 Uhr
Katholische Kirche Langenau
15,- / 10,- Euro

Rafik Schami
„Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“

480 Seiten
Hanser (2023)
26,- Euro

Foto: © Beppo Minx

Man weiß nie, wo es hingeht im Leben…
aber man weiß immer, woher man kommt. Maria, gerade auf dem Weg zu einem langen Wochenende fern der Stadt, erreicht sie der Anruf ihrer Mutter, dass der Vater schwer verunglückt ist. Sofort eilt sie zum Bauernhof ihrer Eltern, denn da wird ihre Hilfe nun dringend gebraucht. In dieser drückend heißen sommerlichen Idylle erwartet Maria nicht nur die schon seit Stunden Äpfel schälende Großmutter, die Erinnerungen an ein fast schon vergessenes Leben zwischen Schweinestall und Schulbus holen sie ein. Aber auch der Duft von frisch gebackenem Holzofenbrot, die mühsame, endlose Hopfenernte von Kindesbeinen an. Gibt es einen besseren Ort für diese Lesung als den Saal der Pflugbrauerei in Hörvelsingen?

Martina Bogdahn
„Mühlensommer“
Lesung

Dienstag, 14. Mai, 20 Uhr
Pflugbrauerei Hörvelsingen
12,- / 10,- Euro

Martina Bogdahn
„Mühlensommer“

336 Seiten
Kiepenheuer & Witsch (2024)
22,- Euro

Eine wahre Lebensgeschichte
Was bedeutet Wahrheit in der Literatur? Braucht es nicht manchmal die Phantasie des Dichters, um die Wahrheit ans Licht zu bringen? 100 Jahre ist sie alt, die exzentrische Architektin Anouk Perleman-Jacob, als sie den Schriftsteller Michael Köhlmeier bittet, ihr Leben aufzuschreiben. Tag für Tag verschiebt der Autor seine Heimreise und ist mehr und mehr fasziniert von der alten Dame. Er recherchiert und erscheint pünktlich bei ihr bis ihre frühen Erinnerungen letztlich am „Philosophenschiff“ hängenbleiben.
In Sankt Petersburg geboren, erlebt Perleman-Jacob als Kind den bolschewistischen Terror. Zusammen mit nicht einmal einem Dutzend Passagieren, das Mädchen zählt mit ihren Eltern zu den „Auserwählten“, werden eine Handvoll Intellektuelle auf einem großen Passagierschiff außer Landes deportiert. Fünf Tage treibt das Schiff im Finnischen Meerbusen, ohne vorwärtszukommen, ehe ein weiterer Passagier hinzukommt. Vielleicht sogar Lenin selbst?

Michael Köhlmeier
„Das Philosophenschiff“
Lesung

Sonntag, 16. Juni, 11 Uhr
Langenau Pfleghofsaal
12,- / 10,- Euro

Michael Köhlmeier
„Das Philosophenschiff“

224 Seiten
Hanser (2024)
24,- Euro

Archiv 2024

Foto: ©Jana Mai

Ein gelungener Auftakt zum Jubiläumsjahr
Steffen Kopetzky zum dritten Mal in Langenau – wieder ein Ereignis!
Dass ein historischer Roman zugleich kenntnisreich und spannend sein kann, das hat der Autor bei seiner Lesung im Pfleghof wieder mal unter Beweis gestellt. Larissa Reissner, die Protagonistin aus „Damenopfer“, schillernde Sozialrevolutionärin, kämpfte als Gegenfigur zu Stalin, der ein System des Terrors errichtete, für eine bessere Welt für alle.
Schon allein wegen der Zugabe, Kopetzky las das kleine Kapitel über die Pestepidemie in Moskau im Jahr 1771, war der Abend ein Geschenk.

Steffen Kopetzky
„Damenopfer“
Lesung

Donnerstag, 25. Januar, 20 Uhr
Langenau Pfleghofsaal

Steffen Kopetzky
„Damenopfer“

448 Seiten
Rowohlt (2023)
26,- Euro