Sachbücher

Geopolitische Zusammenhänge und die Erkenntnis über die Fragilität von Frieden
Neue Handelswege, zu Land und Wasser sollen entstehen - Strecken und Knotenpunkte, die den Handel der ganzen Welt, vor allem aber in Asien und Afrika, vernetzen. Dabei verteilt China freigiebig enorme Kredite an asiatische und afrikanische Staaten für großangelegte Projekte wie Bahnstrecken und Häfen. Kredite, die möglicherweise nie zurückgezahlt werden können und betroffenen Staaten in Abhängigkeitsverhältnisse drängen. Jedoch ist China nicht die einzige Supermacht, die auf diese oder ähnliche Weise geopolitisch ihre Muskeln spielen lässt. Die Folge: Verstrickungen, Intrigen, Verträge und Abhängigkeiten, die global alle betreffen. Das Fazit des Autors: Nur wer die Zusammenhänge kennt, kann angemessene Entscheidungen treffen.
Saskia Jürgens

Peter Frankopan
„Die neuen Seidenstraßen“

352 Seiten
Rowohlt Verlag
22,- Euro

Aug in Aug mit dem Bären
Nastassja Martin ist Anthropologin aus Leidenschaft und verbringt die meiste Zeit ihres Lebens bei indigenen Völkern. In Kamtschatka begegnet sie auf einem Streifzug einem Bären, der sie angreift und lebensgefährlich verletzt.
Sie erzählt die Geschichte ihrer Rettung, ihre bizarren Erlebnisse in russischen Krankenhäusern, die aber noch unglaublicher werden in ihrer Heimat Frankreich. Die eigentliche Geschichte dreht sich aber um die Begegnung mit dem Bären und die Folgen. Es geht um Körper und Seele. Es macht keinen Sinn nur wieder so schnell wie möglich wieder gesund zu werden, sondern der Bär ist nun Teil ihres Lebens, so dass sie Monate später wieder in Kamtschatka ist, wo sie nicht unbedingt willkommen ist, denn dort gilt sie nun als halb Mensch, halb Bär und Unglück bringend. Das Alles ist wie ein Protokoll geschrieben, entfaltet aber eine emotionale und spirituelle Wucht ohnegleichen.
Klaus Schönfeld

Nastassja Martin
„An das Wilde glauben“

139 Seiten
Matthes & Seitz Verlag
18,- Euro

Suchen und Warten in Tibet
Als der Naturfotograf Vincent Munier ihn fragt, ob er mit nach Tibet kommt, um die vom Aussterben bedrohten letzten Exemplare des Schneeleoparden zu fotografieren, zögert Sylvain Tesson keine Sekunde. Sein Bericht über diese Reise ist eine faszinierende mystische Erfahrung. Mit Lakonie schildert er die Beschwernisse und Widrigkeiten. Mit Hingabe und Liebe erzählt er von der majestätischen Landschaft und den faszinierenden Tieren. Allein schon für die Begegnungen mit den Yaks findet er wundervolle Worte. Ein wirklich großes Buch über Stille, Einfachheit, Leidenschaft und Liebe für die Natur.
Klaus Schönfeld

Sylvain Tesson
„Der Schneeleopard“

190 Seiten
Rowohlt Verlag
20,- Euro

Über Natur schreibt man nicht aus Routine, sondern aus Liebe,
denn man gibt durchaus etwas von seiner Seele preis. Das schreibt Harry Martinson in einem der 45 Texte, die in diesem Buch gesammelt sind. Es geht nicht nur um Idylle und Beschaulichkeit, sondern auch Vergänglichkeit und Verwesung. Er findet wunderbare Bilder: Eine weiße schwedische Buschwindröschen Wiese erscheint wie eine Offenbarung, der Ligusterschwärmer sieht aus als hätte er immer was zu besorgen, im Abenddämmer, wenn die Farbeindrücke ausruhen dürfen. Wenn man sich aufmacht die Insektenwelt zu studieren, muss man sich auf vieles in einem selbst gefasst machen. Martinson sucht und findet das Große im Kleinen und das Kleine im Großen. Das ideale Buch für den Frühling im Garten.
Klaus Schönfeld

Harry Martinson
„Schwärmer und Schnaken“

220 Seiten
Guggolz Verlag
22,- Euro


Moderner Feminismus – ernst, stark und humorvoll
Im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist zwar vieles besser, aber noch lange nicht gut. Es geht um Geschlechterrollen und Gleichberechtigung. Um Macht, Sexualität und das Recht am eigenen Körper. Macht man heute eine Umfrage mit dem Titel „Was würdest du tun, wenn es für 24 Stunden keine Männer gibt“, ist eine häufig genannte Antwort von Frauen „abends ohne Angst zu Fuß nach Hause gehen“. Das ist eines von vielen Beispielen, das zeigt: Feministische Themen sind auch heute nicht vom Tisch, sondern brandaktuell. Margarete Stokowski studierte Philosophie und Sozialwissenschaften und ist seit 2011 Kolumnistin bei Spiegel Online. Dabei legt sie mit scharfem Verstand und einer humorvollen, spitzen Zunge, die dennoch nicht den Ernst des Themas aus den Augen verliert, die Schwachstellen unserer - doch so fortschrittlichen - Gesellschaft frei. In „Untenrum frei“ beschreibt sie auf sehr persönliche Weise wie es ist, als Mädchen in Deutschland aufzuwachsen: Mädchenzeitschriften, lückenhafter Aufklärungsunterricht, Übergriffe, Tabus. Schnell wird deutlich, wenn sich in Sache Geschlechtergerechtigkeit etwas ändern soll, geht es um Details.
„Die letzten Tage des Patriarchats“ sammelt eine Auswahl ihrer Kolumnen – Lesestoff der wach und empört hält, motiviert Haltung zu zeigen und einen Überblick über aktuelle Debatten verschafft.
Saskia Jürgens

Margarete Stokowski
„Untenrum frei“

256 Seiten
Rowohlt Taschenbuch
12,- Euro

Margarete Stokowski
„Die letzten Tage des Patriarchats“

320 Seiten
Rowohlt Taschenbuch
12,- Euro

Schlüssel zum vielfältigen Einwanderungsland
Deutschland – Einwanderungsland wider Willen. Bereits im 19. Jahrhundert war Deutschland Ziel von Wanderarbeiter*Innen und Migration. Zwangsarbeiter*Innen beider Weltkriege, ehemalige „Gastarbeiter*Innen“ aus verschiedenen Nationen sowie Schutzsuchende prägen das heutige Antlitz unserer bunten Gesellschaft. Dennoch sträubt man sich zum Teil heute noch Deutschland als Einwanderungsland anzuerkennen. Dabei entwickelte sich im Laufe der Historie ein „Rassistisches Wissen“, welches sich mit der Zeit veränderte und angepasst wurde. Die Historikerin Maria Alexopoulou nimmt die Lesenden mit auf eine Reise durch die Zeit – auf den Spuren von Einwanderung und Rassismus in Deutschland. Der Begriff des „Rassistischen Wissens“ spielt dabei eine zentrale Rolle. Es gilt dieses Wissen auszugraben, zu entlarven und zu benennen, um es aus unserer Gesellschaft ein für alle Mal zu verbannen.
Saskia Jürgens

Maria Alexopoulou
„Deutschland und die Migration“

281 Seiten
Reclam Verlag
24,- Euro

Es gibt nichts, was ich lieber tue, als den Leuten beim Reden zuzuhören
Dies schreibt Sophy Roberts in ihrem faszinierenden Buch. In den Jahren 2015 bis 2019 reist sie kreuz und quer durch Sibirien, vom Ural bis zum Pazifik auf der Suche nach scheinbar längst vergessenen Musikinstrumenten. Im 19. Jahrhundert ist das Klavier für russische Aristokraten und Großbürger das Symbol für die europäische Kultur und Errungenschaften, spätestens als im Jahr 1842 Franz Liszt in St. Petersburg vor 3.000 begeisterten Zuhörern spielte. Gouverneure, Revolutionäre, Intellektuelle, Strafgefangene; ob gesandt oder verbannt, sie alle verehrten die Musik und das Klavier.
Mit sehr viel Neugier und Zuneigung begegnet die Autorin den Menschen, die sie auf ihrer Reise trifft; so lauschen wir gebannt den Geschichten, die sie erfährt. Gleichzeitig ist das Buch auch ein großartiger Reiseführer durch die endlosen Weiten Sibiriens, bereichert durch die kleinen und großen Geschichten.
Klaus Schönfeld

Sophy Roberts
„Sibiriens vergessene Klaviere“

400 Seiten
Paul Zsolnay Verlag
26,- Euro

Vom Leben im Ausnahmezustand
In ihrem neuen Buch erzählt die norwegische Bestsellerautorin, die mit „Die Geschichte der Bienen“ berühmt wurde, von jenen Tagen im März, als auch wir das Gefühl hatten, die Welt würde stillstehen. Es ist ihr bisher wohl persönlichstes Buch, sie beschreibt darin, wie sie mit ihrer Familie, also Mann und drei Söhnen, die Zeit des Lockdowns in Norwegen erlebt hat. Die Autorin, die normalerweise selbst bedeutende, dystopische Romane schreibt, hat plötzlich das Gefühl, sich selbst in solch einem zu befinden.
In ihrem äußerst fesselnden Buch hat Maja Lunde nun die verstörenden Anfangstage der Coronavirus-Pandemie verarbeitet, viele LeserInnen werden sich darin wiederfinden und verstanden fühlen.
Sandra Kohl-Blum

Maja Lunde
„Als die Welt stehen blieb“

224 Seiten
btb Verlag
16,- Euro

Rechtsradikale Mobilmachung im Internet
Während sich immer mehr extrem Rechte als harmlose Hipster darstellen, hat sich online ein Netzwerk geknüpft, das alles andere als gefahrlos ist. Wahlkampfpropaganda und Trollterror auf populären Social-Media-Seiten wie Facebook, Twitter und YouTube sind hier nur die Spitze eines Eisberges, der in deutlich dunkleren Ecken des Internets seinen Ursprung hat. Die Autoren schleusen sich ein, auf 4Chan und 8Chan, Gamergate und Reconquista Germanica, sie führen Interviews mit namenhaften Personen der rechten Szene, analysieren YouTube-Videos und tragen in diesem Buch ihre Ergebnisse Puzzleteil für Puzzleteil zusammen. Mit erschreckenden Erkenntnissen. Ein unverzichtbares Buch, um zu verstehen, wie extremistische Meinungsmache bei zukünftigen Wahlen eine Rolle spielen wird – und vielleicht ein Hilfsmittel, um dem angemessen entgegenzutreten.
Saskia Jürgens

Patrick Stegemann und Sören Musyal
„Die Rechte Mobilmachung“

290 Seiten
Plus herausnehmbare Grafik:
Vernetzung diverser Kanäle und Personen
Econ Verlag
17,99 Euro

Forschung zur Gerechtigkeit als Lebenswerk
Amartya Sen erhält dieses Jahr (2020) den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Im Zuge dessen geht der hier besprochene Titel in die zweite Auflage. Sen beschreibt seine Anhaltspunkte über Gerechtigkeit zu diskutieren und Wege zur Umsetzung einer gerechteren Welt zu formen. Er argumentiert, dass es unterschiedliche Ansätze gibt, gerechtes Handeln zu begründen und vergleicht seine Thesen mit verschiedenen Philosophen und Ökonomen von der Aufklärung bis heute. Am Ende steht für ihn fest: Eine völlig gerechte Welt ist eine unerreichbare Utopie. Diese erreichen zu wollen, verhindert die Verwirklichung einer gerechteren Welt. Sein Ansatz: Ungerechtigkeit aufspüren und beseitigen – Stück für Stück. In seinem Buch macht er seine Forschungsergebnisse mehrerer Jahrzehnte für die Öffentlichkeit zugänglich.
Saskia Jürgens

Amartya Sen
„Die Idee der Gerechtigkeit“

493 Seiten
dtv Verlag
14,90 Euro

Geschichte schreiben
Wer jetzt die Zeit hat, kann eintauchen in die umfangreichste Sozialgeschichte unseres kapitalistischen Systems. Der französische Wirtschaftswissenschaftler erklärt in seinem Buch, dass soziale Ungleichheit in einem System nur so lange gut geht, so lange ein gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht. Seit dem Hyperkapitalismus nach dem Fall der Mauer wurde diese gesellschaftliche Übereinkunft aufgelöst – und zwar von den Reichen. Keine Angst vor den 1312 Seiten, sie sind lehrreicher als alles, was bisher über die soziale Sprengkraft der Gegenwart geschrieben wurde. Seite für Seite wird klar, in welchen Zustand sich unsere Welt hineinkatapultiert hat.
Thomas Mahr

Thomas Piketty
„Kapital und Ideologie“

1312 Seiten
Beck Verlag
39,95 Euro

Wahrscheinlich werden wir nie einen Alien treffen…
… aber eine Begegnung mit einer Krake kommt dem sehr nahe. Der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Kopffüßler war ein platter Wurm mit Augenflecken und ohne nennenswertes Bewusstsein. Ab dieser Verzweigung unseres Stammbaumes hat die Natur den Geist gleich zweimal erfunden. So gibt es über Kopffüßler unzählig Faszinierendes und Merkwürdiges zu berichten und noch viele ungelöste Rätsel. Peter Godfrey-Smith belässt es allerdings nicht dabei von seinen Taucherfahrungen zu erzählen. Der Philosoph verknüpft geistreich Beobachtungen mit unerwarteten Fragen zu unserer eigenen körperlichen Verfassung und Entwicklungsgeschichte, und sucht mit Biologen nach Antworten. Wie wäre es denn beispielsweise, wenn sich all unsere Gehirnaktivitäten auf der Haut in Farben und Mustern abzeichnen würden? Und welche Bedeutung hat (dann) Sprache?
„Ein hinreißendes Buch!“ The Guardian
Saskia Jürgens

Peter Godfrey-Smith
„Der Krake, das Meer und die tiefen Ursprünge des Bewusstseins“

304 Seiten
Matthes & Seitz Verlag
28,- Euro

Farben, Farben, Farben
Farben bestimmen unsere Wahrnehmung - von ihnen hängt ab, wie wir die Welt sehen. Die Journalistin Kassia St Clair versammelt in diesem wunderschön gestalteten Buch die Entstehung und Wirkung dreiundsiebzig ausgewählter Farben, Schattierungen und Farbnuancen. Sie erzählt uns die geheimnisvollen und vielfältigen Geschichten, die sich hinter den Farben verbergen. Eine Fundgrube voller Anekdoten zu Mode, Geschichte, Malerei, Architektur und Kunstgeschichte, ein kunterbuntes Lexikon und eine faszinierende Kulturgeschichte.
Kassia St Clair schreibt mit großer Liebe zum Detail und wirklich ansteckender Begeisterung.
„Ein hinreißendes Buch!“ The Guardian
Cornelia Beyerle

Kassia St Clair
„Die Welt der Farben“

352 Seiten
Hoffmann und Campe Verlag
18,- Euro

Meisterhaft
19. Mai 1845, Greenhithe, England. Sir John Franklin macht sich mit 134 Männern und zwei Schiffen, der Terror und der Erebus, auf den Weg ins arktische Eis, um den letzten weißen Fleck der Nordwestpassage zu kartieren. Drei Jahre später verschwinden beide Schiffe. Ihr Schicksal und das ihrer Crews bleibt mehr als anderthalb Jahrhunderte lang ein Rätsel – bis 2014 vor der Nordküste Kanadas ein „Schatz“ gefunden wird. Es ist das Wrack der HMS Erebus.
Michael Palin – Monty-Python-Star, Weltenbummler und begnadeter Erzähler – entfaltet die ebenso glanzvolle wie tragische Geschichte der Erebus, die in einer Katastrophe endete.
Cornelia Beyerle

Michael Palin
„Erebus“

400 Seiten
Hoffmann und Campe Verlag
28,- Euro

„Vom Südpol aus kann man nur nach Norden gehen, egal wohin man sich dreht.“
2015 gründeten Studenten in Greifswald das Magazin „Katapult – Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft“. Die erste gedruckte Ausgabe erschien im März 2016 mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Heute hat das Heft bereits eine Auflage von 40.000 Exemplaren und wird nach wie vor vierteljährlich an 12.000 Abonnenten per Hand verschickt. Gelebte Begeisterung!
100 ihrer besten Karten haben die Katapult-Macher nun in diesem Buch verewigt, denn manchmal müssen wir unsere Perspektive ändern, um die Welt besser zu verstehen. Die Realität ist nicht schwarz-weiß, sie ist kompliziert, überraschend, staunenswert, manchmal auch witzig, auf alle Fälle aber erstaunlich.
Cornelia Beyerle

Katapult
„Blau“

208 Seiten
Hoffmann und Campe Verlag
26,- Euro

Erlesen Sie Ihr blaues Wunder
Alles beginnt mit dem Licht und unserem Sehen. Blau ist besonders und kommt in der Natur seltener vor als andere Farben. Seit frühesten Zeiten suchten die Menschen nach einmaligen blauen Steinen und Farbstoffen, die Textilien, Porzellan und Gemälde verwandeln. Wie hängen all diese Dinge zusammen, die wir bewundern? Die Falter, die Früchte, die Mineralien, der Himmel, und das Meer?
Kai Kupferschmidt ist der Faszination für diese Farbe schon als Kind erlegen und sie begleitet ihn bis heute. Er hat sich auf eine Reise um die Welt gemacht, um die Rätsel und die Schönheit unseres Planeten zu erkunden und uns in seinem wunderschön gestalteten Buch zu erzählen, wie all diese Dinge zusammenhängen, die wir bewundern - brillant geschrieben und großartig recherchiert.
Cornelia Beyerle

Kai Kupferschmidt
„Blau“

238 Seiten
Hoffmann und Campe Verlag
26,- Euro

Es lebe die Unordnung im Garten
Steine oder ein Sandhaufen, die liegengeblieben sind, ein Laubhaufen, der im Herbst nicht mehr entsorgt wurde und totes Holz im Garten, all dies bedeutet Lebensraum für die Natur. In unserer leergeräumten Kulturlandschaft sind solch kleine Inseln ein Glücksfall für Insekten, aber auch für größere Tiere. Die Geo-Ökologin Sigrid Tinz zeigt in ihrem Buch wie durch weniger Ordnung im Garten mehr Natur möglich wird. Darüber hinaus geben ihre Tierporträts Einblicke, welchen Standort Insekten und auch Igel und Eidechsen brauchen. Ignorieren Sie den mitleidigen Blick des Nachbarn und verwandeln Sie Ihren Garten in ein ökologisches Paradies. Dass man natürlich nicht alles dem Zufall überlassen kann, unterstreicht die Autorin mit ihren Anleitungen. Perfekt wird Ihr Garten eben dann, wenn er nicht perfekt ist.
Thomas Mahr

Sigrid Tinz
„Haufenweise Lebensräume“

Ein Lob der Unordnung im Garten
192 Seiten
Pala-Verlag
19,90 Euro

Ein Vademekum utopischer Welten
Kein Ort, nirgends – und all die Phantasie das gedanklich zu füllen: Seit Menschengedenken gibt es faszinierende Utopien, und nicht zuletzt haben wir ja alle auch unseren ganz persönlichen Lebenstraum.
Einen Einblick in die Geschichten der Utopien der letzten 500 Jahre gewährt jetzt ein sehr fein gestalteter Bild- und Textband aus dem Bozener folio-Verlag.
Alberto Manguel – nicht zuletzt bekannt durch seine ausgezeichnete „Geschichte des Lesens“ – hat kurze Textvignetten verfasst, mit denen er uns an zwanzig Gedanken- und Realexperimenten teilhaben lässt und auf eine Reise mitnimmt, die bei Thomas Morus „Utopia“ beginnt und mit John Lennons und Yoko Onos „Nutopia“ (k)ein Ende findet.
Was aber den besonderen Reiz dieses wohlfeilen Buches ausmacht, das sind die Karten und Illustrationen der imaginären Geographien, welche der Leserschaft wahrhaft ins Auge fallen und neben dem qualifizierten Wort den Bildern großen Raum geben und eine besondere Lust aufs Schauen machen.
Christian Schulz

Alberto Manguel
„Sehnsucht Utopie“

Eine Reise durch fünf Jahrhunderte
104 Seiten
Folio Verlag
32,- Euro

Zwischen Anklage und Verzeihung
Wie denken und dachten unsere Vorfahren, Großeltern, Eltern, die um und nach 1920 Geborenen, was erinnerten sie im – zornigen oder milden – Rückblick auf ihr Leben und das ihrer Zeitgenossen?
Der deutsch-amerikanische Historiker Jarausch hat sich mit Hilfe von 80 Erinnerungstexten – u.a. von dem Zeithistoriker Joachim Fest, der Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger und der Ulmerin Renate Finckh -, die um 1990 erschienen sind, daran gemacht, den roten Faden, die Gemeinsamkeiten, die Widersprüche dieser Generation zusammenzutragen und zu resümieren. Herausgekommen ist eine eindrucksvolle Monographie über „Zerrissene Leben“, in der nicht zuletzt schon die Kindheiten in der Weimarer Republik, aber erst recht die krassen Ambivalenzen einer Jugend im Dritten Reich zu Wort kommen, mit denen die erwachsen Gewordenen in der Nachkriegszeit in Ost und West und andernorts zurechtkommen mussten.
Die selbstkritische Einsicht steht neben dem fatalen Rechtfertigungsversuch, die Verzeihung neben der Anklage, die klare Analyse neben den verständlichen Emotionen. Kurz ein Buch, das nicht nur die Lektüre lohnt, sondern zu einem lebendigen Gespräch mit deutscher Vergangenheit einlädt.
Christian Schulz

Konrad H. Jarausch
„Zerrissene Leben“

Das Jahrhundert unserer Mütter und Väter
456 Seiten
WBG Theiss
29,95 Euro

Eine deutsch-französische Mentalitätsgeschichte
Nicht immer ist der Blick in den Keller ersprießlich, insbesondere dann nicht, wenn er zu Tage fördert, was familiär und erst recht in der Öffentlichkeit unter dem Teppich bleiben sollte. Bei der in Straßburg gebürtigen Geraldine Schwarz war es die Korrespondenz des Mannheimer Großvaters väterlicherseits, welche die Journalistin auf eine Fährte brachte und eine enorme literarische Schubkraft entfalten ließ. 1938 hatte dieser Großvater ein jüdisches Unternehmen arisiert, dessen ursprünglicher Besitzer nach Kriegsende Entschädigung einfordert – blamabel und doch so typisch, was folgt: Arroganz, Abstreiten, die Klage, selbst Opfer (gewesen) zu sein. Auch der Großvater mütterlicherseits hat seine Geschichte(n), diente er doch als Gendarm unter Vichy.
Aus diesem familiären Nukleus entwickelt sich eine deutsch-französische Mentalitätsgeschichte, die einmündet in ein europäisches Nachkriegs- und Gegenwartspanorama. Vehement plädiert die Autorin in ihrer Allroundperspektive für ein selbstbewusstes Europa, das aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und Zukunft gestaltet.
Im Dezember 2018 erhält Géraldine Schwarz in Brüssel zu Recht den Europäischen Buchpreis.
Christian Schulz

Géraldine Schwarz
„Die Gedächtnislosen“

Erinnerungen einer Europäerin
380 Seiten
Secession Verlag für Literatur
28,- Euro

Wir rasenden, reisenden Europäer. Ein Portrait.
Während es 1950 nur 25,3 Millionen internationale Reisende gab, hat sich die Zahl in den letzten 63 Jahren verfünfzigfacht. Also höchste Zeit, sich eingehend mit dem Wesen des Tourismus zu beschäftigen!
Marco d’Eramo gelingt es, mit seiner aufmerksamen Besichtigung, die uns bereits bekannte ‚Welt im Selfie‘ aufzubrechen und auch Vergangenheit und Zukunft der rasenden und reisenden Europäer zu beleuchten. Jeder will ein Reisender sein, keiner hingegen Tourist. Wie alt dieses Phänomen tatsächlich schon ist, beweist d’Eramo nicht zuletzt mit einem Zitat von Stendhal über eine italienische Stadt, die noch heute sehr hoch im Tourismus-Kurs steht: „Florenz ist ein Museum voller Ausländer, die ihre eigenen Gepflogenheiten dorthin verpflanzen.“ Doch auch ein Kapitel über die Außenperspektive hält dieses Buch bereit; wie würden Außerirdische wohl unsere spontanen Massenwanderungen interpretieren? Nachdenklich und humoristisch, manchmal auch zynisch, aber immer sehr luzide beleuchtet der italienische Journalist alte und neue Reise(ge)lüste. Man darf sich ertappt fühlen!
Eva-Maria Mahr

Marco d‘Eramo
„Die Welt im Selfie“

Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters
362 Seiten
Suhrkamp Verlag
26,- Euro

Einer, der nicht aufgibt
Es gibt sie noch, die echten Revolutionäre: Einer davon ist Jean Ziegler. Er ist auch derjenige, der sich bewusst ist, wohin die Welt steuert und doch beständig neue Bäume pflanzt. Mittlerweile Mitte 80 kämpft er unverdrossen weiter, gegen die Machenschaften des Finanzkapitals und gegen die großen in der Politik, die seiner Meinung nach die vitalen Interessen ihrer Bürger aus den Augen verloren haben. Kraft findet er in den kleinen Siegen, die er errungen hat und seine Niederlagen lassen ihn nicht resignieren. Sein neues Buch ist zugleich auch ein Erinnerungsbuch, das wahrlich im Zeichen des Einsatzes für eine gerechtere Welt stand. Man kommt einfach nicht umhin, als Leser der „Institution“ Jean Ziegler seinen Respekt zu zollen, gerade in einer Welt, die dabei ist, aus den Fugen zu geraten. Nicht zu vergessen, dass er auch noch das Talent hat, seine Empathie literarisch bestens zu verarbeiten.
Thomas Mahr

Jean Ziegler
„Warum wir weiter kämpfen müssen“

Mein Leben für eine gerechtere Welt
320 Seiten
Pantheon Verlag
15,- Euro

Wir brauchen neue Dörfer
Wenn man als Leser davon absieht, dass in Ralf Otterpohls Buch „Das neue Dorf“ ein ums andere Mal der missionarische Ton überhandnimmt und das gute Leben auf dem Land gegenüber den Konsumtempeln der Städte zu sehr schwarzweißgemalt ist, bietet sein Aufruf, das Dorf neu zu denken, doch viele interessante Ansätze. Als anerkannter Wasserwirtschaftler hat er erkannt, dass in der Nahrungsmittelproduktion kleine Einheiten nicht nur beste Erträge bringen, sondern auch nachhaltig unsere ausgelaugten Böden schützen. Um das Sterben der Dörfer aufzuhalten, rät er den Städtern aufs Land zu ziehen und in visionär gedachten Gemeinschaften konträr zur derzeitigen Agrarmonokultur zu wirtschaften. So sieht er wohlorganisierte Kleinbetriebe in einer neuen Gemeinschaft als geeignetes Modell nachhaltig unsere Umwelt schützen und als besten Weg vom Irrweg der Lebensmittelindustrie wegzukommen.
Thomas Mahr

Rolf Otterpohl
„Das neue Dorf“

Vielfalt leben, lokal produzieren
180 Seiten
oekom Verlag
20,- Euro

Was für eine engagierte Diplomarbeit!
„Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Vernunft besitzt. Aber kein anderes Lebewesen würde jemals so unvernünftig sein.“ Diesen Gedanken des Künstlers Friedensreich Hundertwasser hat sich der junge Designer Michael Brose zum Leitmotiv gemacht und ein großformatiges Buch entworfen, das graphisch erklärt, in welchen Bereichen wir den Peak – den Scheitelpunkt – des Ressourcenverbrauchs schon überschritten haben. Ob es sich dabei um Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft oder Verkehr und Abfall handelt, in jedem Bereich, den das Buch anführt, sind wir an die Grenzen der Verträglichkeit gestoßen. Der Autor zeigt mit seinen sehr einleuchtenden Graphiken nicht nur deutlich, wie wir gegen Nachhaltigkeit beständig verstoßen, sondern am Ende jedes Kapitels, was Wirtschaft, Politik, aber auch jeder Einzelne für eine lebenswerte Zukunft leisten kann.
Thomas Mahr

Michale Brose
„Peak“

Von ökologischen Grenzen und nachhaltigen Perspektiven
128 Seiten
oekom Verlag
20,- Euro

Was, wenn der Zeigefinger zum autoritären Superlativ wird…?
Schon Nietzsche wusste in seiner Streitschrift ‚Genealogie der Moral‘ aufzuzeigen, dass moralische Phänomene immer ein kritisches Korrektiv benötigen, da sie ansonsten zunächst unbemerkt, aber sukzessive erfolgreich eine ideologische und dogmatische Wirkkraft entfalten. Moral ist Folge, Maske, Gift, Stimulans, Heilmittel, Tartüfferie, Hemmung, so Nietzsche. Alexander Grau schreibt diese Kritik der moralischen Werte bis in den gegenwärtigen Zeitgeist hinein fort, dem er ein ‚hypermoralisches‘ Gebaren attestiert. Im 21. Jahrhundert ist die Moral nicht länger Ausdruck und Mittel eines übergeordneten und normierenden Wertesystems; sie wird selbstbegründend: ‚Als moralisch gilt das, was aufgrund moralischer Erwägungen als moralisch gilt.‘ Wie diese fatale Spirale entstand, welche Auswirkungen sie auf Gesellschaft, Individuum und Institutionen hat und warum die Empörung mitnichten eine produktive Gefühlsregung ist, zeigt Grau in seinem sprachlich kurzweiligen und analytisch dichten Essay brillant auf.
Eva-Maria Mahr

Alexander Grau
„Hypermoral“

Die neue Lust an der Empörung
128 Seiten
Claudius Verlag
12,- Euro

Fünf Journalistinnen mischen sich ein
Es ist ja nicht so, dass wir gelähmt wie die Maus vor der Schlange, die da heißt Rechtspopulismus, sitzen und warten, was da auf uns zukommt. Besonders erfreulich ist es, dass vor allem junge Menschen sich wieder auf die Politik besinnen und sehen, dass unsere freiheitliche Demokratie nicht selbstverständlich ist. Gut, dass der Kunstmann Verlag fünf Journalistinnen gewonnen hat, die mit ihren in einem Buch gesammelten Beiträgen versuchen, Antworten zu finden auf die drängenden Fragen der Zeit. Die Texte beschränken sich aber nicht auf einer Analyse der Gegenwart, sie gehen weiter und sind Anregung, sich als Bürger bei den demokratischen Entscheidungsprozessen einzumischen. Verantwortung als Staatsbürger zu übernehmen verlangt ein fundiertes Urteil - jenseits der wütenden Frustration und den allgegenwärtigen Fake News.
Thomas Mahr

„Was tun“
Demokratie versteht sich nicht von selbst
112 Seiten
Verlag Antje Kunstmann
10,- Euro

Im Hier und Jetzt
Im Silicon Valley ist ein neuer Megatrend im Kommen. Ausgerechnet dort, wo der Siegeszug des Digitalen gepredigt wurde, hält jetzt das Analoge Einzug. Und der Autor, der uns dies erzählt, ist nicht etwa ein in die Jahre gekommener Nostalgiker, nein, der in Toronto geborene Journalist David Sax hat die 40 noch nicht überschritten. Ganz zärtlich die Nadel auf die Platte legen, um ein Jazzalbum zu hören, stundenlang in einer Buchhandlung zu stöbern, um dann auf die Empfehlung des Buchhändlers einen unbekannten aber großartigen Roman zu entdecken. Nur zwei Beispiele, wie Sax das Loblied auf das Analoge anstimmt, um das zur Ruhekommen, das sich Bewusstwerden nicht zu vergessen, wenn das Smartphone mal zu Hause bleibt. Sax erzählt im wohltuenden Plauderton und resümiert, wie sich in der digitalen Welt das Analoge seinen Platz zurückerobert. Für ihn schließt das eine das andere nicht aus.
Thomas Mahr

David Sax
„Die Rache des Analogen“

Warum wir uns nach realen Dingen sehnen
316 Seiten
Residenz Verlag
24,- Euro


Einblick in den Islam
Der Kulturwissenschaftler Gerhard Schweizer wirbt mit seinen beiden Büchern für ein besseres Verständnis des Islam. Er leugnet nicht den tiefgreifenden Konflikt zwischen Orient und westlicher Welt. Doch zeigt er auch, wieviel die beiden Kulturen verbindet und dass im Mittelalter das Osmanische Reich an Toleranz und Fortschrittlichkeit dem damaligen Europa um einiges voraus war. Woher kommt aber dieser islamistische Fundamentalismus in seiner Radikalität und seinem Feindbild der westlichen Demokratien? Natürlich liegt die Problematik in der inneren Zerrissenheit und Spaltung der islamischen Völker begründet. Doch kommt auch der Anteil Amerikas und Europas an diesen Konflikten zur Sprache. Das Buch über den Islam ist ein wichtiger Beitrag, um in der emotional geführten Diskussion der Vernunft wieder mehr Raum zu verschaffen. Der derzeitige Kulminationspunkt der Konflikte in der islamischen Welt ist Syrien. Auch hier erklärt Schweizer sehr genau die historischen Hintergründe, indem er auf das Land blickt, das wie kein anderes im Orient von den verschiedensten kulturellen Einflüssen durchzogen ist. Wie die Jahresringe eines Baumes lassen sich in der syrischen Geschichte die Wechsel der verschiedensten Machthaber herauslesen.
Thomas Mahr

Gerhard Schweizer
„Islam verstehen“

Geschichte, Kultur und Politik
610 Seiten
Klett-Cotta Verlag
9.95 Euro


Gerhard Schweizer
„Syrien verstehen“

Geschichte, Kultur und Politik
519 Seiten
Klett-Cotta Verlag
9,95 Euro

Jute statt Plastik
Seit dem 1. April 2016 sind Plastiktüten im Einzelhandel kostenpflichtig. Die Tüten, die wir innerhalb des ersten Monats ausgegeben haben lassen sich zwar nicht an einer, aber immerhin an zwei Händen abzählen und statt Ärger gab es jede Menge gute Gespräche mit Kunden. Völlig auf Plastik zu verzichten schaffen wohl nur die Wenigsten von uns, aber ein bewussterer Umgang mit dieser wertvollen Ressource tut wahrlich Not. Anneliese Bunk und Nadine Schubert liefern mit ihrem Ratgeber viele Tipps und Tricks, um Plastik im Alltag zu vermeiden; nicht nur beim großen Thema Einkaufen, auch bei Pflege- und Reinigungsprodukten, die es ja häufig nicht unverpackt gibt, lässt sich einiges an Verpackung einsparen, ganz einfach, indem man selbst tätig wird – die Rezepte in diesem Buch machen es möglich!
Anna Kalmbach

Anneliese Bunk und Nadine Schubert
„Besser leben ohne Plastik“

Tipps und Rezepte, die zeigen, wie es anders geht
108 Seiten
Oekom
12,95 Euro

Insektenliebe
Mit seinem Buch über die Hummel hat der englische Naturschützer und Biologe Dave Goulson überraschend viele Leser gewonnen. Jetzt hat er sein Forschungsgebiet auf die gesamte Insektenwelt ausgedehnt. Sicherlich stand ihm da der Naturforscher Jean Henri Fabre ein wenig Pate, der vor mehr als 100 Jahren die Beobachtung der Insekten zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat. Wie sein Vorbild lebt der englische Entomologe auch in Südfrankreich, dem idealen Terrain für diese Forschung. Mit leidenschaftlicher Ausdauer und wissenschaftlicher Akribie, doch in einem wunderbaren Plauderton und nicht ohne britischen Humor, bringt er uns das Leben der Insekten näher. So zum Beispiel das Liebesleben der Libellen, die manchmal tagelang aneinander hängend beim Fortpflanzungsakt durch die Lüfte fliegen; oder von der Gottesanbeterin, die bei Erledigung jener Tätigkeit den Begatter verspeist. Am Ende des Buches wird das Thema ernster; er thematisiert das Artensterben. Er kritisiert den weltweiten Einsatz von Pestiziden und die zunehmende Monokultur, die mit modernster Agrartechnik allem, was kreucht und fleucht, den Garaus macht.
Thomas Mahr

Dave Goulson
„Wenn der Nagekäfer zweimal klopft“

Das geheime Leben der Insekten
320 Seiten
Hanser Verlag
21,90 Euro

Von den Pflanzen lernen
Der Biologe Stefano Mancuso und der Gründer von Slow Food Carlo Petrini haben auf gerade mal 100 Seiten ein grandioses Buch über den guten Geschmack geschrieben. Mit ihrem Gespräch bringen sie die Kritik an der Agrarwirtschaft und der industriellen Lebensmittelproduktion auf den Punkt. Köche und Bauern müssen sich zusammentun und mit einer nachhaltigen Landwirtschaft dem Wahnsinn der Überproduktion Einhalt gebieten, denn 40 Prozent unserer Lebensmittel landen im Müll. Für die beiden Autoren ist das ständige Wachstum nicht die Lösung für den Hunger auf der Welt. Im Gegenteil - in Asien werden wertvolle Ackerflächen vernichtet, um dort in antibiotikaverseuchten Wasserbecken Garnelen zu züchten, damit diese möglichst billig in den Kühltruhen europäischer Supermärkte landen. So wurde aus etwas Exklusivem ein Massenprodukt. Die beiden Italiener lamentieren aber in ihrem Buch nicht nur, sie erzählen geistreich von der Pflanzenwelt und was wir von ihr lernen können. Einiges aus diesem Buch zu Herzen genommen kann nicht nur uns, sondern auch die Welt zum Besseren verändern.
Thomas Mahr

Stefano Mancuso, Carlo Petrini
„Die Wurzeln des guten Geschmacks“

Warum sich Köche und Bauern verbünden müssen
112 Seiten
Verlag Antje Kunstmann
10,- Euro

Zwischen Landflucht und Landlust
Wie kommt es, dass auf der einen Seite das Landleben solch eine Hochkonjunktur erlebt (was schon allein die Fülle und der Erfolg diverser Zeitschriften zeigt) aber andererseits auch bei uns im Land, in der Eifel oder im Osten Deutschlands, Dörfer sterben? Gerhard Henkel, Professor für Geographie und der „Dorfforscher“, hat mit seinem Buch über diesen Widerspruch nachgedacht. Er ergreift in seinem umfangreichen und reich bebilderten Werk eindeutig Partei für das Dorf, ohne es dabei zu verklären oder gar die Schattenseiten auszublenden. In aller Ausführlichkeit taucht er ein in die Geschichte dieser Siedlungsform, von der Frühzeit bis heute, und würdigt dabei den Beitrag der Kultur des Landlebens in der europäischen Geschichte. In der Gegenwart angekommen, kritisiert der Autor die Gebietsreform, die mit der Schaffung zentraler Orte manchen Dörfern das lokale Selbstverständnis, ja die Seele, genommen hat.
Thomas Mahr

Gerhard Henkel
„Das Dorf“

Landleben in Deutschland – Gestern und Heute
344 Seiten
Theiss Verlag
24,95 Euro